PluralEyes verspricht automatisches Synchronisieren mehrerer Kameras und das gleichzeitige Anlegen von Multiclips ohne aufwendiges Verkabeln von (teuren) Kameras oder der Verwendung der ebenfalls teuren Lockits. Mit PluralEyes kann laut Hersteller jede Kamera beziehungsweise jeder Clip perfekt durch die aufwendige Audioanalyse von PluralEyes synchronisiert werden.
Der Arbeitsablauf wird im Hilfe Menu der Applikation erklärt und ist denkbar einfach. Man erstellt (mit der derzeitigen Version) eine Sequenz oder ein Bin mit dem Namen PluralEyes, in der Sequenz muss jeder Kamera Angle in einem eigenen Track liegen - wo er zeitlich liegt ist egal. Dann muss dieses Projekt gesichert werden.
Es ist wichtig das dieses Projekt nicht nur gesichert ist, sondern auch das einzig offene Projekt ist, da Plural Eyes sich die Final Cut Pro Apple Events zunutze macht, um ohne grosse Umwege für den Benutzer die XML Übergabe von und nach Final Cut Pro zu bewerkstelligen.
Da immer das ganze Projekt von Final Cut Pro übergeben wird, sollte nur das nötigste im Projekt enthalten sein - ansonsten kann auch der eigentlich recht schnelle Export der XML ins RAM eine gute Zeit in Anspruch nehmen.
Liegen die Clips in einem Bin kann nur ein Multiclip erzeugt werden, liegen sie in einer Sequenz können die Clips innerhalb der Sequenz synchronisiert werden.
Die Audioanalyze ist beeindruckend genau - auch wenn sie einige Zeit dauert. Anbei ein Screenshot der Audio Waveforms, die mit dem blossen Auge keine wirkliche Ähnlichkeit erkennen lassen (ich habe als Beispiel das Demo-Projekt von der singularsoftware.com Website genommen, damit jeder das auch nachvollziehen kann).

Audio-Waveform mit Beispielmaterial von singularsoftware.com
Kompliziert wird es, wenn die Kameras nicht genügend "gemeinsamen" Ton haben. Da macht die Software verständlicherweise nur teilweise oder gar nicht mit. Bei professionellen Drehs mit externem Audio ist die Software ebenfalls nur bedingt einsetzbar bzw. sogar sinnlos. Hier haben die Kameras meistens wenig gemeinsamen Ton - es sei denn, es ist zum Beipiel ein Konzertmitschnitt. Zudem muss beim Einsatz von externem Audio sowieso erst einmal Bild und Ton synchronisiert werden (ob per Hand oder Software) und dann hat man ja die Synchronisierung schon über den Audio TC. Ich habe einige Versuche mit Material von Aussendrehs einer Serienproduktion gemacht. Es hat in keinem Fall geklappt.
Ein allgemeiner Punkt, der nicht spezifisch für PluralEyes ist, muss hier auch noch aufgeführt werden. Da die Multiclips über einen kleinen XML Trick erzeugt werden, hält die Synchronisierung ein Media Management nicht durch (und somit auch keinen "XML Roundtrip"), in vielen Fällen auch keinen eventuellen Absturz von Final Cut Pro.
Um sicher zu gehen, sollte man also diese Funktion - auch wenn sie noch so verlockend klingt - nicht benutzen. Stattdessen einfach nur den "Sequence-Sync" berechnen lassen, auf eine Stelle gehen, an der alle Clips überlappen. Dort den Sequenz Timecode kopieren und für jeden Clip über "Timecode modifizieren..." den Sequenz Timecode in den AUX TC1 für den jeweiligen Frame eingeben. Der Multiclip kann dann "sicher" über die Synchronisierung per "AUX TC1" erzeugt werden.
Aber wie gesagt, das ist nichts PluralEyes spezifisches sondern ein Final Cut Pro Problem. Ein Nachteil, der jedoch spezifisch für PluralEyes ist: es gibt kein Batch Processing. Jeder Take muss einzeln synchronisiert werden, und das kann schon eine Menge Zeit in Anspruch nehmen.
Macht der Einsatz dieser Software Sinn?
Ich denke schon, es kommt wie meistens darauf an, wann und wo man sie einsetzen möchte. Hochzeitsfilmer
werden sie lieben (und deren Kunden werden dann die Hochzeitsfilmer
lieben), Konzertmitschnitte - eigentlich egal welcher Art - sind nun
mit Minimalaufwand zu realisieren und sehr viel engagierte Hobbyfilmer
würden sich freuen - wenn da nicht zusätzlich noch Final Cut Pro wäre,
das man ja nun auch braucht. Und ja – der Preis macht natürlich auch was aus. Der ist nach wie vor noch unbekannt. Seien wir mal gespannt.Die Beta gibt es hier zum Download: http://www.singularsoftware.com/autosync/index.html
© Andreas Kiel für final-cut-pro.de
www.spherico.de