Grundlage für ein sinnvolles Arbeiten ist eine Kalibrierung des Vorschaumonitors. Aber wie, mit welchen Werten soll man kalibrieren? Anleitungen findet man diverse, aber die meisten "How to calibrate a monitor" beziehen sich auf NTSC-Monitore und man kann die Anleitungen für die SMTPE-Colorbars bezüglich PLUGE, Bluecheck, Kontrast, Helligkeit leicht nachvollziehen. Für PAL-Monitore ist selten sinnvolles zu finden. Meist wird geraten wie bei NTSC vorzugehen und die PHASE- und HUE-Einstellungen zu ignorieren, da das bei PAL keine Rolle spiele.
Davon ausgehend möchte ich im Folgenden meine Erfahrungen einbringen...
1. Problemstellung
- Kaum jemand kommt an der Frage vorbei, wie verbindlich ist meine Vorschau?
- Stimmt meine Kreation in Helligkeit, Kontrast oder Farbe?
- Warum sieht man am Mac etwas anderes als am PC oder auf einem Röhrenfernseher?
- Wie kriegt man seine Bilder halbwegs gut auf einem HDTV zu sehen?
- Und sogar innerhalb des Apple-Videosystems gibt es deutliche Unterschiede in der Darstellung zwischen verschiedenen Applikationen, etwa After Effects, Final Cut Pro oder dem Quicktimeplayer. Schmerzlich ist wohl jeder schon dem Gammaproblem begegnet, was ist richtig, Gamma 1,8 oder 2,2?
Als erstes stellt sich die Frage nach dem Monitor selbst. Das Paradigma, professionelle Vorschaumonitore sind CRT, müssen Class 1-Status haben und einen mittleren 5-stelligen Betrag kosten, ist heutzutage nicht mehr gültig. Stark verbesserte Produktionstechniken im Displaybereich und der Steuerelektronik haben eine breite Palette von Geräten in ganz unterschiedlichen Preisklassen hervorgebracht, die durchaus für professionelles Arbeiten geeignet sind.
Durch aktuelle Softwareentwicklungen und der auf den Lowcostbereich zielenden Vertriebspolitik von Apple mit Final Cut Studio und Color haben jetzt zunehmend auch kleine Studios oder Freiberufler eine realistische Chance für professionelles Colorgrading. Natürlich gilt: Die Maschine und das Programm machen nicht automatisch einen Benutzer zum Profigrader. Aber sie geben die Möglichkeit, der (große) Rest liegt bei jedem selbst, graden lernt man beim graden, so profan das klingen mag.
2. Der Monitor - Eizo CG241W
(www.eizo.de/monitore/color-graphic-lcds/24-zoll/CG241W.html)
Im letzten Herbst habe ich auf der Suche nach einer adäquaten Monitoringlösung für die Arbeit in Color, auch durch Anregungen im FCP-Forum, mir den Eizo CG241W zugelegt. Dieser Monitor erfüllt folgende Voraussetzungen:
- die für Videobearbeitung relevanten Farbräume PAL, NTSC, HD (ITU BT 709-5) bis hin zu Wide Gamut RGB können dargestellt werden
- durch exakte Einstellungen im CIELAB-xy-Koordinatensystem und die Kalibration des Monitors entsprechend diesen Vorgaben kann je nach Material manuell in den passenden Farbraum gewechselt werden
- der Monitor wird hardwarekalibriert, das heißt die Einstellungen bleiben auch erhalten, wenn er nicht an einer Grafikkarte betrieben wird, sondern über einen professionellen Signalweg per SDI
- der Monitor stellt ohne Softwarehacks 60p, 59,94p, 50p und 48p dar
- die Farbdarstellung ist, wie bei Eizo zu erwarten, excellent
- das Gerät ist bezahlbar!! Im Bundle mit einem Colorimeter von X-Rite muss man mit etwa 2000,- € rechnen.
3. Digital Cinema Desktop Preview vs. Monitoring mit professionellen Videokarten
Die nächste Entscheidung ist, wie soll der Monitor in mein System eingebunden werden?
A - Durch die Ausstattung mit zwei DVI-Eingängen bietet sich zunächst die direkte Anbindung durch den zweiten Grafikkartenausgang an. Final Cut Pro bietet für die Vorschau die Digital Cinema Desktop Preview (DCDP) an. In Color kann man im 2-Monitorbetrieb die Vorschau ganz simpel auf Vollbilddarstellung umschalten. Der Vorteil ist, die Lösung ist kostengünstig, man braucht keine zusätzliche Hardware samt Treibern, Kabelchaos und diversen möglichen Fehlerquellen. Die Darstellung hat eine recht gute Qualität insbesondere im "Raw"-Modus mit seiner 1:1 pixel to pixel Darstellung, allerdings sollte dazu die Timeline gestoppt sein. Aber einiges spricht auch dagegen.
Zunächst die Bewegungsauflösung. Direkt am Computer genutzte Monitore können kein interlaced Bild darstellen. Die DCDP stellt i60 Material mit 30p und i50 Material mit 25p dar. Das kann dann zu Rucklern und verfälschter Bewegungsdarstellung führen. Dann wird bei der DCDP und in der Color-Vorschau das Signal nicht im jeweiligen Videofarbraum angezeigt, sondern es wird RGB dargestellt. Luma- und Chromaabweichungen in der Darstellung sind wahrscheinlich. Diese Einschränkungen berücksichtigend, kann man im No-/Lowbudgetbereich gut arbeiten, da der CG241W ansonsten ja eine Reihe (s.o.) Qualitätskriterien von Hause aus mitbringt.
B - Durch den Einsatz von professionellen Video-I/O-Karten, etwa von AJA oder Blackmagic-Design umgeht man die Einschränkungen der DCDP. Diese Karten, im "Hauptberuf" zum ein-, ausspielen und konvertieren professioneller Videoformate genutzt, ermöglichen eine dem Material entsprechende Anzeige der Bewegungsauflösung und korrekte Darstellung der Videofarbräume. Für die Ausgabe von Digitalvideo Y'CbCr bietet sich die Übertragung per SDI an, je nach Material HD-SDI oder SD-SDI. Das SDI-Signal muss natürlich noch mit geeigneter Hardware von AJA (HDP) oder Blackmagic-Design (HD-Link) auf den DVI-Eingang des Monitors geschaltet werden.
Diese Geräte können aber noch mehr. Eine Reihe von professionellen Funktionen, wie Blue-check, umschalten auf anamorphotische Formate, pixel to pixel Darstellung, interlaced-Material ohne "Kämme" anzeigen, die Möglichkeit verschiedene LUT zu laden, werden zur Verfügung gestellt.
4. Die Kalibrierung
Wie geht man beim Eizo CG241W nun vor? Der Eizo hat zwei DVI-Eingänge, einen USB-Upstream und zwei USB-Downstream Ports. Die USB-Schnittstelle agiert hier in Doppelfunktion, als USB-Hub und als Schnittstelle um die Kalibrierungswerte in die Steuerelektronik des Monitors zu übertragen.
Als erstes schaltet man im Monitor den vollen Frequenzumfang, also auch die 50 Hz, frei:
- der Monitor ist ausgeschaltet
- die Taste S (Source) gedrückt halten, den Monitor einschalten
- Ein Menü zum Frequenzumfang erscheint, aber ohne Zahlenwerte, jeweils den Button "wide" auswählen, fertig.
Zum Kalibrieren muss der Monitor an die Grafikkarte angeschlossen werden, da über die Videokarten keine Rückmeldung vom Monitor an die Kalibrierungssoftware erfolgt. Der Upstream-Port des USB wird mit dem Mac verbunden. Das Colorimeter steckt man praktischerweise in einen USB-Port des Monitors, geht aber auch direkt am Rechner.
Exemplarisch erstelle ich hier ein Kalibrierungsprofil gemäss Rec. ITU-R BT.709-5. Entsprechend verfährt man mit anderen Zielen, also z.B. Standarddefinition PAL oder NTSC. Es empfiehlt sich, die Kalibrierungssoftware Colornavigator (5.1, Stand 03/08) (gratis und sehr hochwertig) direkt bei Eizo zu holen. Beim Start überprüft die Software, ob alles korrekt angeschlossen ist, das Colorimeter muss ausgewählt werden.
Schritt 1:
Im Fenster (Abb. 1) sieht man bereits erstellte Profile, rechts eine Übersicht der jeweiligen Hauptparameter. Die Dezimalwerte beziehen sich auf die Koordinaten im CIELAB-Koordinatensystem. Man wählt "Create a new target..."

Abb. 1
Schritt 2:
Im Pulldownmenü "RGB-Gamut" findet man eine Vielzahl von Vorschlägen für Print, Fotografie und Videobearbeitung, so auch PAL, NTSC, Wide Gamut, aber scheinbar kein ITU 709. (Abb. 2)

Abb. 2
Meine Recherchen führten zu folgendem Ergebnis:
Der sRGB-Farbraum entspricht, bezüglich der Koordinaten im Farbraum, Whitepoint, Red, Green, Blue komplett der ITU 709. Aufmerksamkeit erfordert die Benennung eines Gammawertes. Die ITU 709 empfiehlt als Zielgerät etwas vage ein Standardmonitorsetup kompatibel zur Empfehlung, es wird ein 1080-line System festgelegt, allerdings ohne konkrete Gammavorgaben. Das kommt daher, dass der Inhalt der ITU 709 auf die Aufnahme und den Transfer (und die enstsprechenden mathematischen Methoden) von Signalen von Videokameras zum Zielsystem abzielt.
(vgl. z.B. hier: www.w3.org/Graphics/Color/sRGB dort besonders "sRGB and ITU-R BT.709 Compatibility" im weiteren auch die Tabellen a.a.O.; eine Kurzfassung auch hier: en.wikipedia.org/wiki/Rec._709)
Konkret kann man also die CIELAB-Koordinaten der ITU 709 verwenden und als Gamma den in der Videobearbeitung üblichen Wert 2,2 im Kalibrationsvorgang vorgeben. Die Koordinaten können direkt eingetragen werden (Abb. 2) oder man wählt der Einfachheit halber das sRGB-Profil aus, die Koordinateneinträge sind identisch, das korrekte Gamma wird in einem späteren Schritt gesetzt.
Schritt 3:
Man kann die "Brightness" auf verschiedenen Wegen wählen. (Abb. 3)

Abb. 3
"Ambient Light" - kann man auswählen, wenn das Colorimeter diese Funktion zur Verfügung stellt. Das heißt, die Umgebungshelligkeit geht direkt in die Kalibrierung ein. Mit "Paper white" wird die Helligkeit und der Weisspunkt zum Zeitpunkt der Kalibrierung eingemessen, ähnlich wie beim manuellen Weissabgleich einer Kamera. Diese Funktion ist eigentlich für den Printbereich gedacht, leistet aber auch für Videobearbeitung den gleichen Dienst. Der Nachteil ist, es werden die gerade aktuellen Helligkeits- und Farbtemperaturwerte eingelesen, man muss also für absolut konstante und korrekte Raumbedingungen sorgen, sonst passiert folgendes: Man kalibriert vormittags und hat 6800 Kelvin und 160cd im Kalibrierungsprofil hinterlegt und gradet am Nachmittag bei 3800 Kelvin und 80cd (auf die Umgebungsbedingungen komme ich später noch zurück).
Daher ist es besser, man gibt feste Werte vor, wählt "Manual" und gibt je nach Helligkeitsbedingungen des Ansichtsraumes manuell eine "Brightness" und den "Whitepoint" vor. Meist wird 80cd gewählt. Für besonders helle Umgebungen (viele sehen Fernsehen/Video auch mit einer Menge (Umgebungs-)Licht habe ich auch ein Profil mit 120 cd erzeugt. Für den "Whitepoint" lässt man die Koordinaten gemäß der ITU 709 bei x=0,3127 y=0,3290. Der Wert 6500 Kelvin trifft das nicht ganz genau.
Schritt 4:
Man wählt ein "Black level" aus. Ohne Anhaken der Checkbox wird das dem Monitor mögliche Minimum genommen. (Abb. 4)

Abb. 4
Schritt 5:
Der Gammawert für Videobearbeitung 2,2 wird hier manuell eingestellt. Die Checkbox unten wechselt zwischen ausgewogener Graubalance oder maximalem Kontrastumfang. Man sollte das auf "Gray balance" lassen. (Abb. 5)

Abb. 5
Schritt 6:
Man vergibt einen sinnvollen, sprechenden Namen (Abb. 6) und ...

Abb. 6
Schritt 7:
... mit "Do adjust" beginnt der eigentliche Kalibrierungsvorgang. (Abb. 7)

Abb. 7
Schritt 8:
Man muss darauf achten, dass kein Umgebungslicht auf den Sensor fällt. (Abb. 8)

Abb. 8
Schritt 9:
Man kippt den Monitor etwas nach hinten und positioniert das Messgerät auf dem Display. "Proceed" klicken und der Vorgang beginnt. (Abb. 9) Zeit für eine Kaffeepause. Natürlich könnte man auf dem Hauptmonitor weiterarbeiten. Ich lasse bei solchen kritischen Vorgängen, capturen, rendern, ausspielen, kalibrieren den Mac absolut in Ruhe.

Abb. 9
Schritt 10:
In der Liste wählt man ein fürs Material passendes Profil aus. Mit "Apply" wird das Profil via USB in den "EMU"-Speicher des Monitors geladen. (Abb. 10) Daher ist es praktisch, auch wenn man die eigentliche Vorschau über Videokarten macht, die direkte Anbindung bestehen zu lassen. Man wechselt einfach zwischen Source 1 und Source 2 am Monitor.

Abb. 10
Über den Mode-Schalter am Monitor wählt man aus:
- ein vorgegebenes sRGB-Profil
- eine benutzerdefinierte Einstellung also das übliche Helligkeit, Kontrast, Hue usw. mit der Hand und nach Augenmaß
- einen "Cal"-Modus hier werden die Nachkalibrierungen der Werkseinstellung des Monitors hinterlegt
- und den eigentlich interessanten "Emu"-Modus, hier wird das jeweilige, kalibrierte Profil gespeichert und aufgerufen.
Die Soft- und die Firmware insbesondere des HD-Link/HD-Link Pro sollte auf den neuesten Stand gebracht werden. Einige frühere Ungenauigkeiten der Darstellung sind gefixed. Achtung beim justieren der "enable interlace" Einstellung. Ein zu hoher Sliderwert kann zu Darstellungsfehlern führen.
5. Aspekte der praktischen Arbeit
Einige naheliegende Fragen möchte ich noch ausführen. Damit der ganze Aufwand Sinn macht, müssen auch ein paar Umgebungsbedingungen erfüllt sein. Der Vorgang des Gradings ist stark von physiologischen Vorgängen im Auge abhängig. Das Auge darf also möglichst wenig abgelenkt werden.
Mit wenigen, preigünstigen Maßnahmen kann man das realisieren:
Den Wechsel des Tageslichts kann man mit Rollos unterdrücken. Kräftige Farben an den Wänden oder als Raumelemente können zwar stylisch aussehen sind für einen Grading-Raum aber tabu. Oft wird auch empfohlen die Wände leicht grau zu streichen (ca. 15%).
Wichtig ist die aktive Beleuchtung. Ich selbst habe Vollspektrumleuchten, 6500K, (www.best-lite.de/html/vollspektrum-energiesparlampen.html) auf Stativen so im Raum verteilt, dass kein direkter Lichteinfall das Display trifft. Eine Leuchte ist hinter dem Monitor, unterhalb des Sichthorizonts plaziert. Wie der Monitor sollen die Lampen ruhig 30 Minuten vor Gradingbeginn eingeschaltet werden.
Alle anderen Lichtquellen, wie Schreibtischlampen, Deckenlicht, Neonröhren muss zwingend aus sein. Wenn für einen Monitor Sichtblenden verfügbar sind, dann sollte man die Investition machen, denn von irgerndwoher blendet immer etwas rein, und wenn es das Licht des Hauptmonitors ist.
Mein eigenes Setup ist folgendermassen aufgebaut:
Rechner: MacPro 2,66, 4,5 Gb Ram, 5x500 Gb Festplatten, 1x für das System, 4x500 als Raid 0
Grafikkarte: ATI XT 1900 (die Karte für optimales Arbeiten mit Color)
Videokarte: Blackmagic-Design Multibridge Pro und HD-Link
Monitore:
» für die Arbeitsflächen:
- Apple Cinema Display 30"
- Formac 20,1"
- Eizo CG241W über SDI
- JVC TM-H150CG über Komponentenboard und Multibridge
- Samsung HDTV R81 26" über HDMI und Komponentenausgänge der Multibridge
Fazit:
Auch wenn ich hier dezidiert auf den CG241W eingegangen bin, so sind doch viele Fragen fürs Monitoring allgemeingültig. Nach oben auf der Preisskala findet man natürlich immer andere Wege und Modelle. Klar ist, eCinema (www.ecinemasystems.com/products/dcm/intro.html) oder TVLogic (www.tvlogic.co.kr/eng/products/mf_lcd/ml_index.php) sind eine andere Liga.
Aber Vergleiche mit den Quato-Modellen (www.quato.de/german/IP240m.php) sind interessant und nicht vermessen. In einem etwas günstigeren Segment (ca. 1200,-€) hat Eizo z.B. noch ein sehr gutes Model, den HD2441W (www.eizo.de/monitore/widescreen-lcds/24-zoll/HD2441W.html) Er kann zwar nicht hardwarekalibriert werden, hat aber HDMI-Schnittstellen und die Möglichkeit anamorphotische Formate korrekt darzustellen. Ohne HD-Link kann direkt an die HDMI-Ausgänge der Multibridge oder HD-Studio angeschlossen werden. Der Farbraum sRGB wird unterstützt.
Auch andere Hersteller, so LG oder Viewsonic verdienen Beachtung. Dazu gibt es im Forum zur Zeit intreressante Diskussionen, die vielleicht auch in Erfahrungsberichte münden werden. Letztlich kann jeder, entsprechend seinen Möglichkeiten mit genügend Willen und Aufmerksamkeit seine Grading-Suite aufbauen.
Daniel Chaskel für final-cut-pro.de
Linktipps:
www.w3.org/Graphics/Color/sRGB
www.etconsult.com/papers/whitepoint.pdf
en.wikipedia.org/wiki/Color_bars
www.hdtvguy.com/faqs.html
dvcreators.net/monitoring-your-work-in-final-cut-pro/
home.att.net/~pldexnis/legacy/Dsite/Dsite.htm
und für hartgesottene (kostenpflichtig)
www.itu.int/rec/R-REC-BT.709/en