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Smoothcam

Gebügelte Aufnahmen in der Postpro – SmoothCam im Einsatz

Christoph Tilley

Mit dem Final Cut Studio 2 Update im April 2007 wurde auch Final Cut Pro auf Version 6 gebracht. Zu den neuen Features zählt unter Anderen ein Plug-In namens SmoothCam, welches unruhige Aufnahmen mittels eines aufwändigen Analyseverfahrens glattbügeln kann. Im folgenden Bericht wird dieses neue Feature genauer unter die Lupe genommen.

Jeder Filmemacher, ob Hobbyist oder Profi, war sicher schon mal mit diesem Problem konfrontiert: Man hat eine unruhige Aufnahme welche man gerne in seinen Film einbauen möchte und wünscht sich, dass diese ein wenig ruhiger bzw. glatter verläuft. Schon vor dem April 2007 gab es einige Möglichkeiten der digitalen Kamerastabilisierung: zum Beispiel SteadyMove (Windows only), iStabilize oder Apple Shakes SmoothCam Node.


Beispiel 1: Links ohne SmoothCam, rechts mit SmoothCam Stabilisierung. © MXR Productions

Stabilisierung


Der Prozess der digitalen Kamerastabilisierung ist bei allen Softwarelösungen sehr ähnlich. Zuerst muss das Bildmaterial analysiert werden, das kann mitunter sehr lange dauern – dazu aber später. Danach wird der Videoclip basierend auf der analysierten Bildunruhe jeweils horizontal und vertikal so bewegt, dass sich die Unruhe im Bild mit der digitalen Bewegung des Videoclips gegenseitig aufheben. Dabei geschieht es, dass der Clip ausserhalb des sichtbaren Bereichs bewegt wird, was dazu führt dass Bildinformation fehlt und ein sich bewegender schwarzer Rand sichtbar wird. Diesem Problem kann man entgegenwirken indem man den fehlenden Bereich durch Aufskalieren des Videos verdeckt. Abhängig vom Grad der Stabilisierung und der Unruhe bzw. der Länge des Clips kann es schon sein, dass man einen Clip bis zu 200% und größer aufskalieren muss um die starke Bewegung auszugleichen.

Apple hat in der Version 6 von Final Cut Pro im Grunde den gleichen Bildstabilisator eingebaut, der schon in Shake als SmoothCam-Node hervorragende Arbeit geleistet hatte. Für viele Cutter ist dies eine enorme Erleichterung, da man sich das mühsame exportieren von FCP in Shake erspart und trotzdem in den Genuss der SmoothCam Bildstabilisierung kommen kann.

Anwendung


Der Final Cut Pro SmoothCam Filter wird in der «Effekte» Liste in «Video Filters» unter dem «Video» Ordner aufgeführt und lässt sich wie jeder andere Filter einfach auf den gewünschten Clip ziehen. Die Analyse des Clips beginnt dann augenblicklich und ein Fenster mit dem Titel Hintergrundprozesse springt auf, welches den Fortschritt der Analyse mithilfe eines Progress-Balkens anzeigt. Ein kurzer Blick in die Aktivitätsanzeige (/Programme/Dienstprogramme/Aktivitätsanzeige) zeigt dann auch, dass FCP recht eifrig am werken ist und der Mac eine hohe Prozessorlast aufweist. Die Dauer der Analyse des Beispielvideos Nummer 1 wurde auf drei unterschiedlichen Computern getestet:

Mac Pro 2x3 GHz Quad-Core Intel Xeon (8-core): 03:20 Min.
MacBook Pro 2.16 GHz Intel Core Duo: 05:09 Min.
PowerMac G5 Quad-Core: 07:16 Min.

Hintergrund Prozess SmoothCamEs gilt zu beachten, dass die Analyse eines Videos pausiert wird sobald man die Wiedergabe eines Videos entweder in Viewer oder Canvas bzw. in der Timeline startet und unverzüglich weiterläuft, sobald man die Wiedergabe pausiert. Das ermöglicht ein ungehindertes Weiterarbeiten am Projekt, trotz SmoothCam Analyse im Hintergrund.

Clips, welche analysiert werden bzw. in der Warteschlange zur Analyse stehen, werden im Canvas mit einem roten Rand und einem gelben Statusbalken gekennzeichnet. Die Analysedaten speichert Final Cut Pro im selben Ordner wo auch das Videofile liegt als «.motdf» Datei.

ShakeDer Algorithmus zur Analyse der einzelnen Frames ist in FCP 6 der gleiche wie in Shake 4.1, allerdings unterscheiden sich die Programme im Workflow und Handhabung des Features: Einige «fine-tuning» Optionen, wie zum Beispiel eine Editiermöglichkeit der berechneten Bildbewegung sowie Einstellungen zur Qualität der Analyse, fehlen in der Final Cut Pro Version von SmoothCam.

Ausserdem kann man in Shake den zu analysierenden Bereich framegenau angeben. In FCP wird immer der komplette Masterclip analysiert, was mitunter bei sehr langen Clips problematisch sein kann, wenn man nur eine kurze Sequenz daraus verwenden möchte.

Fazit


Eine gelungene Implementierung eines Profi-Tools in die wahrscheinlich fortschrittlichste Videoschnittsoftware am Markt. Optimal für unruhige Kamerafahrten, Aufnahmen aus der Hand, Bewegtkamerafahrten, für den letzten Schliff bei Steadycamfahrten, etc. Für Spezialanwendungen und schwierige Stabilisierungsversuche empfehle ich nach wie vor Shake oder andere Programme mit guten Trackingfunktionen.


Beispiel 2: Drei Kamerafahrten mit Dolly. Zuerst ohne, dann mit Stabilisierung. © MXR Productions

Tipp

Wer beim Aufnehmen seines Footage-Materials schon weiß, dass er einen Bildstabilisator wie SmoothCam verwenden wird, dem empfehle ich eine geringe Verschlusszeit bei den Kameraeinstellungen zu wählen (Shutter-Speed). So vermeidet man Bewegungsunschärfen die im geglätteten Video unrealistisch wirken können.

© 2007 Christoph Tilley für final-cut-pro.de




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