Karsten LienshöftMit dem Buch Digital Media und HD möchten die Autorinnen Inka Pallister und Renate de Graaff den Film- und Medienschaffenden ein Praxisbuch zur Verfügung stellen, das eine Hilfestellung bei der Orientierung im Wachstumsmarkt Digitale Medien bietet.
Bei dem Werk handelt es sich, so viel sei bereits vorab erwähnt, um ein Buch, das umfassend über die Chancen der digitalen Filmproduktion informieren möchte und dabei HD besonders berücksichtigt. Leider setzt das Buch nicht, wie man annehmen kann, HD (High Definition) in den Bezug zu digitalen Medien oder informiert über Vor- und Nachteile der neuen Technik.
Auf dem Einband heißt es:
Im Wachstumsmarkt digitale Medien, mit einer Vielzahl an neuen Technologien, wird es immer schwieriger zukunftssichere Entscheidungen bei der Planung, Produktion und Verbreitung von Filminhalten zu treffen.
Dieses Buch bietet Film- und Medienschaffenden - praxisnah und übersichtlich in Matrizen dargestellt - alle relevanten Informationen als Leitfaden für eine individuelle Entscheidung unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und gestalterischer Anforderungen.
In der Tat versuchen die Autorinnen kein relevantes Thema auszulassen und nutzen die 318 Seiten des Buches um auf einer sehr breiten Ebene über eine Vielzahl von Themen zu informieren. Von digitalem und elektronischem Kino über HDTV und Crossmedia-Verwertung des Filmproduktes bis hin zu Produktbeschreibungen von einzelnen professionellen HD Kameras findet der Leser einen Wust von sachdienlichen und leider auch vielen überflüssigen Informationen.
Das Ziel der Autorinnen, allumfassend informieren zu wollen, bewirkt allerdings, dass nahezu alle Themen die nötige Informationstiefe vermissen lassen. Diese fehlende thematische Tiefe ist es, die das Buch zu einer Statistiksammlung und einem Stichwortverzeichnis abwerten. Neben Standardthemen wie TV Übertragungsnormen, Komprimierungstechniken und Digitalen Speichermedien sind zwar auch brandaktuelle Themen wie Triple-Play, IPTV und HDTV vertreten, aber leider sind die meisten Themen so stark verkürzt und simplifiziert, dass sie ihren Informationswert verlieren. Bedauerlicherweise wird in einigen Fällen nicht einmal ein aktueller Überblick über das betreffende Spektrum möglich. Durch kleine Fehler (Zusammenschluss DF1 und Premiere war 1999 nicht 1997) und Auslassungen (Die Logos der EICTA haben einen Namen: HD ready und HDtv) verliert das Buch an einigen Stellen sogar seine Glaubwürdigkeit.
Die Autorinnen hätten sicherlich gut daran getan sich in der Themenbreite stärker zu begrenzen. Aspekte wie hochauflösende Profi-Kameras sind ggf. verzichtbar, weil es aufgrund der Schnelllebigkeit der Branche schon bald überholt sein wird und deshalb nur eine Momentaufnahme darstellt. Ebenfalls hätte das Kapitel über die praktische Pionierarbeit eingespart werden können. Die Informationen dort sind bedauerlicherweise rein technisch und erzählen nicht, was praktische Pionierarbeit auszeichnet:
Die Auseinandersetzung mit Problemen und technischen Widrigkeiten, die zu wertvollen Lerneffekten führen. Leider lässt sich auch über das Kapitel digitale Schnittsysteme nicht viel Gutes berichten. Es handelt sich bei dem Abschnitt lediglich um einen dreiseitigen Abriss. Eine Seite Fließtext und eine doppelseitigen Tabelle, die 19 Produkte mit Besonderen Merkmalen, Formatunterstützungen, Anwendungen und Einsatzgebieten gegenüberstellt. Brauchbar ist dieser Abschnitt daher leider nur als Nachschlagewerk.
Trotz dieser negativen Kritik finden sich allerdings auch positive Eigenschaften. Das Buch erwähnt, wenn oft auch nur sträflich kurz, nahezu jedes in dem Bereich digitale Medien denkbare Thema und verfügt über eine sehr hohe Anzahl von Tabellen, Matrixen und Auszügen aus Statistiken. Dadurch wird es zu einem interessanten Nachschlagewerk. Lobend erwähnen muss man auch die Seiten 260 bis 292. Hier findet das Buch doch noch seine Bestimmung und gibt auf 32 Seiten sehr schön sachlich und wertneutral nützliche Tipps über Kostenvergleiche bei Filmproduktionen, Finanzierungsmöglichkeiten, Produktions-anforderungen, Kostenersparnisse durch Standortanalysen, Optimierung des Workflows, und erläutert Arbeitsschritte im digitalen Medienprozess. Wäre das Buch an dieser Stelle zu Ende, hätte der Leser einen guten letzten Eindruck, und der ist es ja, der meistens im Gedächtnis bleibt. Dennoch, das Buch hat 318 Seiten und kehrt am Ende doch wieder zu seiner gewohnten Belanglosigkeit zurück.
Während der Lektüre des Werkes drängen sich hauptsächlich zwei Fragen auf: Für welche Zielgruppe eignet sich dieses Buch?, und: Haben sich die Autorinnen bei der fleißigen Recherche und mühevollen Zusammenstellung der Themen nicht doch das eine oder andere mal mit Copy-Paste das Leben zu einfach gemacht? Das Buch schwankt so sehr zwischen hoch technischen Themen, die Fachwissen (und Tipps die Budgets) voraus setzten, und stark simplifizierten Erklärungen, dass es weder den Ton der Hobbyfilmer noch den der Medienprofis trifft. Die Struktur der Schreibweise (fehlenden Überleitungen, inhaltliche Doppelungen und verstecke Widersprüche) machen das Buch zusätzlich nicht gerade zu einem Lesespaß.
Fazit
Das Buch ist als Nachschlagewerk für Menschen zu empfehlen, die sich Informationen gerne aus Tabellen und Statistiken selber erarbeiten und ein geringes Vorwissen über digitale Medien und HD besitzen. Alle, die sich nicht zu dieser Gruppe zählen, sollten sich nach einer Alternative umsehen.Digital Media und HD
Inka Pallister und Renate de Graaff
Mediabook-Verlag Reil
318 Seiten, 52 Euro
ISBN: 3937708103
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©2006 Karsten Lienshöft für final-cut-pro.de