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Filmlook, Teil 2

Software statt Glas – Film-Look per Software

Im ersten Teil hatten wir Ihnen Vorsatzfilter gezeigt, wie sie erfahrene Kameraleute zur Schaffung filmischer Stimmungen schätzen. Nun wissen wir ja alle, dass heute Hunderte von Filtern auch als Plug-Ins für alle gängigen Nachbearbeitungsprogramme zu finden sind. Darunter finden sich natürlich auch einige, die reale optische Filter und Filmeffekte nachbilden wollen.

Software zum Davorschrauben


Exemplarisch möchte ich diesmal die Filterserie „55mm“ von Digital Film Tools vorstellen und „Joe‘s Filters“ für das auch bei Profis immer beliebtere Final Cut Pro (kurz FCP) vorstellen. Die Filter aus der Serie 55mm arbeiten mit allen zu After Effects (kurz AE) kompatiblen Programmen auf PC und Mac, Joe‘s Filters natürlich nur auf Apple.
Die Filterserie „55mm“ bezieht ihren Namen von einem gängigen Frontgewinde für Kameraobjektive und konzentriert sich ausschließlich auf die Nachahmung gängiger optischer Filter. Der Filter „Faux Film“ kombiniert sogar gleich die Wirkung mehrerer Filter mit Korn, gesofteten Highlights sowie Kontrast- und Helligkeitskorrekturen und kommt dem angestrebten „Film-Look“ schon recht nahe. Da manche Filtereinstellungen Werte außerhalb des erlaubten Spielraums für Broadcast-Video erzeugen können, bieten alle Filter dieser Serie die Option an, die Wirkung auf den zulässigen PAL- oder NTSC-Bereich einzuschränken. In After Effects unterstützen sie sogar die Bearbeitung von Filmmaterial mit 16 Bit Farbtiefe.



Hier haben wir aus der Serie „55mm“ den Filter „Mist“ auf unser Motiv angewendet. Geboten werden aber auch ein „Fog“ (Nebel) und ein „Skin Smoother“ (zur Unterdrückung von Fältchen und Hautunreinheiten).



Mit dem Filter „Bleach Bypass“ aus der Serie „55mm“ wird das Weglassen des Bleichvorgangs in der Farbentwicklung simuliert.

Joe‘s Filters von Joe Maller bieten einen sehr breiten Einsatzbereich und haben von der amerikanischen „Mac World“ die nur selten vergebene höchste Wertung mit „5 Mäusen“ erhalten. Sie eignen sich ausschließlich für FCP und die nagelneue Einsteigerversion „Final Cut Pro Express“, da sie auf dessen interner Skriptsprache basieren. AE Plug-Ins dagegen werden neben der Nutzung in FCP von vielen anderen Schnitt- und Compositing-Programmen unterstützt. Doch diese Einschränkung hat für Apple-User den Vorteil, dass die FCP-Filter ohne Änderung auch unter OS X laufen und Multiprozessor-Maschinen unterstützen, während AE Plug-Ins nur per Update neuere Systemversionen oder Dual-CPUs nutzen können. Für unser Thema, den Film-Look, sind sein „Diffuser“ und der „Color Glow“ besonders interessant.



Der Autor Joe Maller meint, dass sein Diffuser einem Pro-Mist entspräche. Urteilen Sie selbst: hier wurde er mit der Standardeinstellung auf das schon aus dem ersten Teil bekannte Glaskaraffen-Motiv angewendet.

Man erkennt, dass die Simulation eines hochwertigen optischen Filters nicht ganz einfach ist. Es fehlt der zarte Glanz um das gesamte Objekt herum, der sich nur zeigt, wenn man den Wert für das Blur stark erhöht. Dann geht aber zu viel Zeichnung in den Lichtern verloren. Ein zarter Sterneffekt des realen Filters auf den Glanzlichtern (der im Druck allerdings kaum auffiel) fehlt bei der Software-Version ebenfalls. Die exakte Wirkung des optischen Filters lässt sich nur durch die Kombination mehrerer Software-Filter (z. B. Diffuser und Color Glow) und sehr sorgfältige Justage auf das jeweilige Motiv annähernd erreichen.



Bei dem Porträt dagegen schlägt sich Joe‘s Diffuser ganz gut: der harte Video-Look verschwindet und es wird romantischer.



Der Color Glow kommt dem Nylonstrumpf-Effekt recht nahe. Die Highlights werden besser zum Glühen gebracht als mit dem Diffuser, aber es fehlt die Kontrastreduktion (die sich natürlich ohne Probleme auch im Hostprogramm erreichen lässt).



Der „Broadcast Legalizer“ dient der Justage auf normgerechte Videopegel und erlaubt Korrekturen des Farbversatzes bei analogen Amateurformaten.

Die Serie enthält in der aktuellen Version 3.5 auch so nützliche Filter wie „Sampled Color Levels“ zur halbautomatischen Farb- und Kontrastkorrektur oder den „Time Bender“, der auch Final Cut Pro weiche Änderungen der Filmgeschwindigkeit beibringt. Der letzte Filter wird im Rahmen einer Nutzerbefragung derzeit von Apple als Dankeschön in einer Vollversion verteilt.

Vor- und Nachteile von Softwarefiltern


Der größte Vorteil aller Software-Filter ist natürlich ihre stufenlose Justierbarkeit, wenn Einstellungen perfekt auf das Motiv abgestimmt werden sollen. Um mit optischen Filtern feine Korrekturen vornehmen zu können, müssen Sie recht viel Geld für komplette Reihen ausgeben. Ohne ein professionelles Kompendium mit einem Halter für Folienfilter ist der Filterwechsel ein ziemliches Gefummel.

Der wesentliche Nachteil aller Software-Filter darf hier aber nicht verschwiegen werden: alle arbeiten mit den Daten aus der Kamera, die bereits auf den 8-bit-Bereich beschränkt sind und im Falle von DV auch schon komprimiert wurden. Eine Kontrastreduktion z. B. kann die Qualität nicht mehr verbessern, sondern nur einen speziellen Bildeindruck nachahmen. Daher gilt im Grunde die gleiche Regel wie beim Ton: ein Problem sollte man möglichst schon an der Quelle kurieren.
Persönlich halte ich mehr von realen Filtervorsätzen an der Kamera, mit einer Ausnahme: Keying! Wenn Sie Aufnahmen für Chromakeying oder ähnliche Arbeiten drehen, sollten diese so klar und scharf wie nur möglich sein, da verbietet sich jegliche Diffusion bei der Aufnahme. In solchen Fällen sind die hier beschriebenen Filter ideal für die Nachbearbeitung, ebenso wie die künstliche Bewegungsunschärfe mit dem „Motion Blur“ Plug-In der Firma RE:Vision FX. Eine sehr nützliche Funktion hat in diesem Zusammenhang auch der „Channel Blur“ aus Joe Mallers Serie: Sie können ihn separat nur auf die Farbinformation anwenden. Damit lassen sich die Klötzchenstrukturen an der Kante eines Bluescreens oder anderer Chromakeys verringern, die von der verringerten Farbauflösung bei DV verursacht werden.

Korrekte Farben?


Kein Medium reproduziert die Farben unserer Umwelt mit absoluter Präzision: Abweichungen gibt es nicht nur im Video. Zwar hat Film einen deutlich höheren Kontrastumfang als Video, aber das Kontrastverhalten der verschiedenen Farbschichten ist nicht ganz identisch, und auch die Farbfilterschichten sind nicht perfekt. Daher hat jeder Filmtyp seinen spezifischen „Look“, und ein erfahrener Kameramensch oder Regisseur wird den Film wählen, der am besten zum Stil der jeweiligen Story passt. Kamerafilter, Farbfilter für die Scheinwerfer und die Farbkorrektur im Kopierwerk erlauben eine weitere Anpassung der Charakteristik, und so sind viel Kinofilme weit davon entfernt, Farben einfach nur realistisch abzubilden. Viele großartige Spielfilme beziehen ihre emotionale Wirkung auch aus ganz subtilen Farbstimmungen – im Grunde also aus irrealen Farben.



Hier wurde unser Motiv mit den ziemlich radikalen Vorgaben für die Simulation von 8mm-Farbfilm per Cinelook-Filter behandelt.

Die berühmten „CineLook“ Plug-Ins von DigiEffects gestatten die genaue Nachbildung gängiger Filmtypen mit perfekt ausgetüftelten Vorgaben für die richtige Einstellung, aber sie sind sehr langsam in der Berechnung und nicht gerade billig. Gute Schnittprogramme erlauben ebenfalls eine differenzierte Anpassung oder Veränderung der Farbstimmung, vorbildlich ist zum Beispiel die 3-Wege-Farbkorrektur in Final Cut Pro, die zudem noch in Echtzeit erfolgt. Ein ganz simpler Trick zur Veränderung der Farbstimmung schon bei der Aufnahme ist bei Camcordern mit manuellem Weißabgleich möglich. Wenn Sie die Einstellung nicht mit einem weißen Blatt, sondern einem Papier mit leichtem Pastellton vornehmen, wird die Kamera mit einem Stich in der Gegenfarbe reagieren. Ein gelbliches Blatt verschiebt die Farbe ins Blaue, ein blaugrünes ins Rote und so weiter.

Rauschen erwünscht?


Im Grunde sind – rein technisch gesehen – alle diese Veränderungen des Bildes eigentlich eine Verschlechterung. Schließlich haben die Hersteller viel Aufwand getrieben, um die Linsen der Kameraoptik so klar und reflektionsarm wie möglich zu bekommen und die Farbwiedergabe der Chips so genau abzustimmen, wie es der Stand der Technik zulässt. Aber wie Sie sehen, ist Filmästhetik eine ganz andere Angelegenheit.
Die Silberhalogenidkristalle in der Emulsion von Kinofilmen sind von wechselnder Größe (die auch von der Filmempfindlichkeit abhängt) und nehmen in jedem Bild eine andere, völlig zufällige Position ein. Dieser Effekt, den man als Korn bezeichnet, liegt zwar bei modernen Filmen an der Grenze der Sichtbarkeit und wird kaum bewusst wahrgenommen – abgesehen vielleicht von echten Nachtaufnahmen mit hochempfindlichen Filmen. Aber auf ganz subtile Weise teilt uns das Korn selbst bei einem völlig ruhigen Bild mit, dass wir einen Film und nicht etwa ein Dia sehen: Film lebt! Das Kinopublikum hat sich so daran gewöhnt, dass Videobilder oft als zu sauber und perfekt abgelehnt werden. Das könnte sich ändern, wenn immer mehr Kinos mit Videoprojektion arbeiten, aber vorläufig sollten Sie den Effekt noch in Betracht ziehen.
Das deutlichste Artefakt, das wir bei Video sehen können, ist die fixe Anordnung der Pixel, die für Störungen wie Moiré und Treppchenkanten verantwortlich ist. Das Rauschen von Video, wie es bei zu schwachem Licht sichtbar wird, entspricht dieser festen Anordung und sieht allein dadurch schon anders aus als Filmkorn. Rauschen durch zu hohe Verstärkung sollten sie also vermeiden, aber eine leichte Beimischung von simuliertem Filmkorn kann in manchen Fällen sinnvoll sein. Geradezu unverzichtbar ist es bei computergenerierten Bildern, wenn diese sich überzeugend in reale Szenen einfügen sollen.



Diesmal wurde in After Effects ein Rauschen mit 10% hinzugefügt.



Hier wurde das Rauschen mit Grain Surgery wieder entfernt – beachten Sie, wie wenig die Schärfe darunter leidet.

Die meisten Programme bieten eine solche Funktion, auch die oben vorgestellten Filter können Filmkorn simulieren. Bei Joe Maller gibt es einen Filter namens „Levels Noise“, der auf raffinierte Weise eine Kontrastkorrektur und die Generierung von Rauschen kombiniert. Sehr nützlich ist dabei, dass sich das Rauschen vor der Mischung mit dem Bild intern mit einem Blur versehen lässt. Das verhindert Flimmern des Korns auf einem Fernsehschirm und ist auch für die Videokompression besser (s. u.), durch die separate Berechnung wird dabei das Bild selbst nicht unschärfer. Mit diesem Filter lässt sich in einem Schritt recht gut ein filmähnliches Aussehen erzeugen. Auf eine weitere Abbildung verzichten wir hier, da sich eine gute Simulation von Filmkorn letztlich nur im bewegten Bild beurteilen lässt.
Besonders perfekt macht es „Grain Surgery“, das mit statistischen Funktionen vorhandenes Korn analysiert und wahlweise ohne den üblichen Schärfeverlust entfernen, aber auch nachbilden und in einen anderen Layer (z. B. eine Computeranimation) hineinrechnen kann. Es ist nicht besonders billig und braucht recht viel Rechenzeit, kann aber bei der Verminderung von Rauschen oder Korn im Vergleich zu den Standardfunktionen wahre Wunder wirken.
Wenn Ihre Filme für die Verbreitung auf DVD vorgesehen sind, sollten Sie mit Korn oder Rauschen eher zurückhaltend umgehen. Die MPEG-Kompression kann es nicht von feinen Details unterscheiden und reagiert auf zu viel Korn mit Klötzchenbildung. Andererseits kann MPEG bei allzu glatten Bildern aus dem Computer in großflächigen Farbverläufen Tontrennungen (Farbkonturen) hervorrufen. Dieser Effekt lässt sich durch ein leichtes Korn vermeiden. Es kommt also, wie bei jeder Medizin, auch hier auf die richtige Dosis an...

Vollbilder


Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Film und Video dürfte mittlerweile allseits bekannt sein: Film besteht aus 24 (oder manchmal auch 25) Vollbildern pro Sekunde, während die Darstellung im Fernsehen aus 50 Halbbildern zusammengesetzt wird. Wenn Ihre Kamera zur Aufnahme im so genannten Frame- oder Movie-Mode in der Lage ist, können Sie natürlich gleich für den Film-Look drehen. Derzeit können das aber nur einige Geräte von Canon, wie die XL- und die XM-Serie. In Kürze wird die neue Panasonic DX100 hinzukommen. Für die Besitzer anderer Kameras sind Filter zum De-Interlacing wichtig, die aus Videobildern den berüchtigten „Lattenzaun-Effekt“ herausrechnen. Die gängigen Videoprogramme beherrschen meist nur die simple Interpolation eines Halbbildes aus den Nachbarzeilen. Wenn Sie aber vom Stativ aus gefilmt haben, wie es bei Filmaufnahmen üblich ist, dann verschenken Sie damit Schärfe auf den unbewegten Bildteilen im Hintergrund.
Besser ist ein adaptives De-Interlacing, bei dem nur bewegte Bildbereiche gefiltert werden. Perfekt beherrscht das ein Plug-In von RE:VisionFX mit dem Namen „FieldsKit“, aber das ist nicht gerade billig und braucht relativ viel Zeit. Besitzer von FCP sind gut dran, denn Joe‘s Filters enthalten auch einen recht brauchbaren adaptiven De-Interlacer, während die hauseigene Funktion von After Effects unter der Bezeichnung „Motion Detect“ nicht sonderlich überzeugen kann.
Joe‘s Filters bieten zusätzlich noch einen „Field Fixer“, mit dem Sie eine falsche Halbbildfolge korrigieren können oder eine Filmüberspielung, bei der die Vollbilder des Originals sich auf jeweils zwei Videobilder verteilen. Dieses Problem zeigt sich besonders bei Schnitten, wo sich in diesem Fall zwei verschiedene Bildinhalte vermischen, und es sollte korrigiert werden, wenn Sie auf Video gedrehtes im Vollbildmodus mit echten Filmausschnitten zusammenschneiden wollen.

CV-Fazit


Für Besitzer von Apples Final Cut Pro sind Joe‘s Filters derzeit der heißeste Tipp für den Film-Look in der Nachbearbeitung. Käufern der Vollversion wird sogar der Quelltext zur Verfügung gestellt, so dass sie sich mit ein paar Scripting-Kenntnissen an eigene Modifikationen und Weiterentwicklungen heranwagen können. Joe Maller unterhält dazu auf seiner Web-Site eine sehr gute Rubrik zum Scripting mit der Filtersprache in FCP. Die Serie ist mit ihren über 30 Filtern wirklich komplett, abgesehen vielleicht von einem sehr hochwertigen Entrauscher wie Grain Surgery für Problemfälle und echtem, bewegungsgesteuertem Motion-Blur wie bei Re:VisionFX.
Wenn Sie ein anderes Schnittprogramme auf PC oder Mac benutzen, das zu Plug-Ins für After Effects kompatibel ist, können Sie sich im reichhaltigen Angebot der Drittanbieter alles Nötige zusammenstellen, finden aber nicht alle Funktionen für den Film-Look in einem einzigen preiswerten Paket. Im dritten und letzten Teil unserer Serie werden wir auf die Problematik der unterschiedlichen Schärfentiefe von Film und DV und auf die optimale 16:9-Aufnahme eingehen.


Bezugsquellen:


Joe‘s Filters für FCP (nur Mac): www.joesfilters.com 95 U$
(alle übrigen für After Effects und kompatible auf PC und Mac)
55mm: www.digitalfilmtools.com 195 U$
Grain Surgery: www.visinf.com 399 U$
FieldsKit und MotionBlur: www.revisonfx.com je 89,95 U$
CineLook: www.digieffects.com 695 U$ (TV-Auflösung)

Alle Anbieter stellen auch Demo-Versionen online zur Verfügung.

Uli Plank für www.computervideo.de



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