Das früheste Kinobild der Stummfilmära war mit einem Verhältnis von 4:3 (oder 1,33:1) nur wenig breiter als hoch; dieses Format wurde bereits von den Urvätern wie Edison, den Lumières oder Pathé festgelegt. Als das Fernsehen seinen Siegeszug ins heimische Wohnzimmer antrat, hatte es längst auch dieses Bildformat übernommen, und die Kinoindustrie schien bald ums Überleben zu kämpfen. Da besann sie sich darauf, daß der Mensch ein ziemlich breites Blickfeld hat. Prüfen Sie es mal, indem Sie Ihre Finger auf beiden Seiten neben den Kopf halten, während Sie nach vorn schauen. Fast 180 Grad, wenn auch an den Seiten ziemlich unscharf. Wenn das Kino also seinen Vorteil mit dem Gefühl des unmittelbaren Eintauchens in die gezeigte Handlung im dunklen Vorführsaal nutzen wollte, brauchte es neben der Farbe auch ein breiteres Bild.
Experimentiert wurde schon seit dem Ende des letzten Jahrhunderts mit vielen Breitbildformaten, aber geblieben sind im Wesentlichen das etwas breitere Academy-Format (1,37:1) und das anamorphe Cinemascope-Format (2,5:1); große Hollywoodfilme werden heute allerdings kaum noch in Academy gedreht.

Bei diesem Motiv würde Ihnen ein normales Fernsehgerät einiges vorenthalten.
Vom Kinosaal ins Wohnzimmer
Erst in jüngster Zeit ist auch das Fernsehen breiter geworden, angefangen hat es mit der HDTV-Diskussion, geblieben sind uns davon neue Fernseher mit 16:9 Bildröhren und PAL-Plus, ein in der Auflösung nur geringfügig verbessertes Sendeformat für Breitwandbilder. In erster Linie dient das der besseren Präsentation von Kinofilmen ohne schwarze Balken oben und unten oder massiven seitlichen Beschnitt (meist beides). Das Format ist mit dem Verhältnis 1,77:1 ein Kompromiß: es kommt im Kino so nicht vor, erlaubt aber eine leidliche Darstellung beider Kinoformate, indem diese entweder vertikal oder horizontal etwas beschnitten werden. Die ersten elektronischen Kameras für das neue Bildformat waren im reinen Profibereich zum Preis einer kleineren Eigentumswohnung angesiedelt, doch mit der fast schon legendären VX-1000 von Sony kam auch das 16:9 Format für DV. Mittlerweile bieten etliche Camcorder im DV-Standard die Umschaltmöglichkeit auf das breitere Bild, in erster Linie Geräte der 3-Chip Klasse.
Vom Camcorder ins Kino? -- Aufnahmepraxis
Wir haben drei typische Vertreter auf ihre Verwendbarkeit im 16:9 Modus getestet: den Veteranen" VX-1000 von Sony, Canons Spitzengerät XL-1 und Sonys Wunderkind" TRV-900. Bei allen dreien muß man sich zuerst einmal von einer falschen Erwartung verabschieden: keine dieser Kameras nutzt auch nur einen Pixel mehr zum Bildaufbau im Breitwandformat. Ganz im Gegenteil -- in der Vertikalen werden oben und unten Bildbereiche im CCD weggelassen und das entstehende Bild wird dann auf den vollen Vertikalbereich aufgeblasen", während in der horizontalen die normale Pixelanzahl genutzt wird. Das läßt sich schon rein optisch beobachten, da der erfaßte Bildausschnitt nicht zu den Seiten wächst, sondern oben und unten eingeschränkt wird. Die Kameras stellen das Ergebnis im Sucher aber ganz unterschiedlich dar. Beide Sonys zeigen ein unverzerrtes Breitwandbild, besonders der TRV-900 mit seinem Ausklappdisplay erlaubt damit eine hervorragende Beurteilung der neuen Bildkomposition, die ganz andere Möglichkeiten bietet als das klassische Fernsehbild. Die Canon enttäuscht hier leider, denn sie zeigt das in die Höhe verzerrte Bild unkorrigiert im Sucher. Bei ihr käme man fast in Versuchung, auf die Umschaltung zu verzichten und den Sucher mit schwarzem Klebeband auf den 16:9-Bereich zu beschneiden, um die eigentliche Bildwandlung dann in der Nachbearbeitung vorzunehmen -- was allerdings sehr zeitaufwendig ausfallen dürfte.
Die praktisch erzielbare Auflösung haben wir über 'alles' getestet, also durch optische Aufnahme einer Testtafel. Diese wurde erst so justiert, daß der eigentlich für horizontale Nutzung vorgesehene Aufnahmewinkel erfaßt, dann aber die Tafel in die Senkrechte gedreht wurde. Wir haben je einmal im 4:3 Verfahren und mit korrigierter Zoomstellung den gleichen Bereich mit 16:9 aufgenommen. Die Standbilder wurden rein digital über FireWire eingelesen. Eine perfekte" Kamera mit zusätzlichen CCD-Pixeln für 16:9 hätte also theoretisch in beiden Einstellungen etwa die gleiche Auflösung zeigen müssen.



Alle drei Modelle zeigen somit einen deutlichen vertikalen Auflösungsverlust bei 16:9.
Am enttäuschendsten ist das bei der XL-1, die gerade hier ihre Superoptik wegen der geringeren effektiven Pixelzahl (300.000 pro Chip) nicht voll ausspielen kann. Die gute alte VX-1000 schlägt sich in der reinen Auflösung (440.000 Pixel/Chip) ganz gut, wird aber bei 16:9 von merkwürdigen Artefakten geplagt. Sie fallen per Testtafel bei den Liniengruppen weit stärker auf als in natürlichen Szenen, können sich aber auch dort als Pixelkanten bemerkbar machen. Hier wurde seinerzeit die Kompression oder die analoge Vorfilterung offensichtlich noch nicht für 16:9 optimiert. Am besten war die Schärfe der kleinen TRV-900, obwohl sie effektiv mit 400.000 etwas weniger Pixel pro Chip hat, allerdings produziert auch sie einige Artefakte durch ihren hohen Kontrast und die hierfür etwas übertriebe Kantenschärfung. Sie kann sich andererseits auch mit ihrem guten Displaysucher eindeutig für Breitwandaufnahmen in DV qualifizieren. Man wünscht ihr allerdings dazu das Weitwinkelzoom der Canon, da gerade bei typischen 16:9 Motiven der Bereich in der kurzen Brennweite nicht ausreicht.
Die zusätzlich aufgenommenen Testkeile in der Kreisform zeigen bei allen Kandidaten auch einige Verluste in der Horizontalen, aber alle Kameras schaffen hier bei 16:9 noch etwa 4 MHz und liegen damit weit über dem Niveau jeder VHS aus der Videothek. Der deutliche Qualitätsabfall gegenüber 4:3 belegt im Grunde nur die hervorragende Leistung von DV, das hier bei allen drei Geräten die 5 MHz-Linie erreicht und damit mehr Bandbreite als ein gesendetes PAL-Signal.



Echte 16:9 Kameras mit umschaltbaren Chips gibt es nur im Digi-Beta und Digi-S-Bereich, wo die Preise jenseits der 50.000,- DM anfangen und oft der reine Mehrpreis für den Breitwandchip schon über dem Gesamtwert unserer Testkandidaten liegt. Selbst diese Boliden sind aber in der Aufzeichnung normgemäß auf das CCIR-601 Format beschränkt, das bekanntlich für PAL 720x576 Pixel beträgt. Sie sagen, das wären rechnerisch doch nur knapp 420.000 Pixel, das schafft doch heute jeder anständige Camcorder? Ganz so einfach liegen die Dinge nicht, denn ein gewisses Maß an Oversampling", also zusätzlichen Pixeln, ist notwendig, um diese Auflösung voll auszuschöpfen und auch Treppchenkanten" zu vermeiden. Daher nutzt eine solche High-End Kamera die technisch mögliche Qualität des D1-Formates wirklich aus, während unsere Kameras im Test erkennbar darunter bleiben.
Mit Kinoauflösung dagegen hat beides noch nicht viel zu tun. Moderner 35mm-Film kann locker 2000 Linien in der Horizontalen auflösen, das entspräche über 2 Millionen Pixeln im Breitwandformat. Mit dieser Auflösung werden z.B. Computeranimationen für's Kino mindestens gerechnet, meist höher -- auch hier lohnt sich Oversampling. Außerdem ist Kinofilm einem CCD-Chip immer noch in der Kontrastverarbeitung und Farbdifferenzierung klar überlegen. Nicht ohne Grund werden Werbung oder aufwendige TV-Spielfilme fast immer auf teurem 35mm produziert, auch wenn sie nur ins Fernsehen kommen, während manche Billigserien heute schon auf Digi-Beta entstehen.
Also keine Chance für DV? Mit einem 5.000 DM Camcorder, den man mal eben auf den Progressive-Scan"-Modus und 16:9 umgeschaltet hat, Spielberg aus den Kinos zu verdrängen -- sicher nicht. Wenn das eigene Produkt aber letztlich wieder auf einem normalen Heimfernseher mit 16:9 Bildröhre gezeigt werden soll, kann man bei sorgfältiger Arbeit durchaus beeindrucken. Selbst ein gutes 70cm-Gerät schafft nämlich nur etwa fünf- bis sechshundert Linien Horizontalauflösung, und vom Sender oder gar der VHS-Kassette aus der Videothek bekommt er noch weniger geliefert. Im Vergleich können Sie also mit direkter DV-Wiedergabe durchaus punkten. Allerdings werden Sie sich eine ganz andere Bildgestaltung und Kameraführung angewöhnen müssen. Und machen Sie eigentlich Ihren Filmschnitt?
16:9 in der Post-Produktion
Wenn Sie einen 16:9-Clip einfach so in den Computer einlesen, werden Sie in den meisten Fällen ein merkwürdiges Bild bekommen, das wie in einem Zerrspiegel aussieht. Wo haben Sie schon mal kurz was Ähnliches gesehen? Richtig: im Kino, wenn der Vorführer geschlafen und nach dem Vorfilm vergessen hat, sofort die spezielle Vorsatzlinse für den Hauptfilm in Cinemascope einzusetzen. Auch dieses, nur im Kino verfügbare Super-Breitwandformat (s.o.) arbeitet nämlich mit anamorpen Objektiven, also seitlich gestauchten Bildern, um das Material besser auszunutzen. Erst bei der Wiedergabe werden sie durch eine komplementäre Vorsatzlinse wieder korrigiert -- sonst sähe John Wayne auf einmal gertenschlank aus.
Ähnlich ist es mit den 16:9 Bildern auf DV. Auf einem älteren Fernsehgerät, das das darin enthaltene Steuersignal zur Umschaltung auf 16:9 nicht versteht, sind sie (genau wie im Sucher der XL-1) seitlich komprimiert. Auch das ganz normale 4:3-Bild ist bei DV leicht in der Breite komprimiert, denn die D1-Norm besitzt ja mit 720 zu 576 Pixeln ein Verhältnis 5:4. Hier sorgt aber bereits die analoge Wiedergabe-Elektronik auf dem Fernseher für ein korrektes Bild. Der Computer dagegen kennt grundsätzlich nur quadratische Pixel und gibt damit immer ein gestauchtes Bild wieder, wenn die Schnittsoftware nicht ihrerseits für Korrektur sorgt. Beim 4:3 Bild stört das selten, schlimmstenfalls wird eine Kreisblende ein wenig zur Eiblende", im Breitwandformat dagegen kann man ohne Entzerrung kaum vernünftig arbeiten, da sich nicht nur Grafik oder Spezialeffekte, sondern die gesamte Bilddynamik so kaum beurteilen läßt.
Schnittbearbeitung
Das erste native DV-Schnittprogramm, das unverzerrte 16:9 Bearbeitung schon vor mehr als einem Jahr beherrschte, war EditDV von Radius auf dem Mac (s. CV 2/98, S.30 -- die Firma nennt sich jetzt Digital Origin"). Da es DV-Material nativ abspeichert, wird das Bild dabei an sich völlig unangetastet gelassen.

Die Korrektur erfolgt in EditDV on-the-fly" bei der Darstellung auf dem Monitor;bei internen Effekten und der Betitelung wird automatisch korrigiert.
Beim Import von Bildern oder Grafiken bietet das Program automatisch deren passende Skalierung an. All das funktioniert sinngemäß auch bei 4:3, so daß man bei EditDV immer genau sieht, was man tut. Das Programm arbeitet zudem auch in diesem Format flüssig und schnell, dadurch kann man auf einen kleinen 16:9 fähigen TV-Monitor durchaus verzichten. Diese sind nämlich noch rar und verhältnismäßig teuer, und wer möchte schon mit der Nase dicht vor einem Großbildgerät schneiden (mal ganz abgesehen vom Familienärger).
Und wie sieht es mit Premiere aus? Die aktuelle Version soll eigentlich die asymmetrische Skalierung beherrschen, und für die DV300 von Pinnaclesys und FireMax von ProMax gibt es auch entsprechende Formatvorgaben für 16:9. Unsere Versuche mit der DV300 und Premiere 5.0 ergaben allerdings nur gestauchte Bilder und Pixelsalat (s. CV 6/98-1/99, S.43), und die aktuellen Treiber von ProMax laufen nur mit Premiere 5.1, das uns zum Test in Deutschland noch nicht zur Verfügung stand. Der Autor konnte allerdings seine Tests mit der amerikanischen Mac-Version von Premiere 5.1 und dem FireMax Treiber in der Version 2.0 vornehmen, und damit funktioniert es bereits. Allerdings verfolgt Adobe ein ganz anderes Konzept als Digital Origin bei EditDV, das ja speziell für DV programmiert wurde. Premiere dagegen soll flexibel mit allen Formaten und möglichst vielen Karten von Fremdanbietern zusammenarbeiten, und das führt natürlich zu Kompromissen.

Das 16:9 Bild der FireMax-Karte stellt Premiere unverzerrt im Monitorfenster dar und spielt es auch einigermaßen flüssig ab. Eine Kreisblende bleibt rund.
Bei der Aufnahme mit den 16:9 Settings von ProMax wird in Premiere ein neues Clipformat erzeugt. Wenn man einen solchen Clip in Premiere direkt als QuickTime-Fenster öffnet, erscheint er mit 1024x576 Pixeln unverzerrt, wird aber nur noch ruckelnd abgespielt -- was bei der Größe nicht verwundert. Die unangenehme Überraschung folgt erst, wenn Clips in Movie Player oder einem anderen QuickTime-fähigen Programm wie After Effects geöffnet werden.

In After Effects erscheinen die 16:9 Bilder aus Premiere verzerrt mit jeweils einem Teil des Nachbarbildes in der Größe von 1024x576 Pixeln.
Offensichtlich erzeugt Premiere in dieser Konstellation ein eigenes Zwischenformat, das für andere Programme völlig unbrauchbar ist -- das hauseigene After Effects eingeschlossen. Man darf zwar hoffen, daß Adobe zumindest dieses Problem in der nächsten Version von AE gelöst hat, denn mehr Integration der eigenen Produkte ist ja erklärtes Ziel. Optimal ist dieser Ansatz aber sicher nicht, denn neben der Unverträglichkeit mit anderen QuickTime-Anwendungen sind auch Geschwindigkeitseinbußen durch die komplexere Umrechnung zu erwarten. Wir haben hierzu einige Messungen mit einem G3/233MHz-Rechner gemacht.
Während die klassische Überblendung (Cross Dissolve) durch einen proprietären FireMax-Algorithmus beschleunigt wird (s. Test in CV 3/98) und mit ca. 17 Sekunden pro Filmsekunde in 4:3 und 16:9 gleich schnell ist, sind die Unterschiede bei allen anderen Effekten enorm. Natürlich haben wir auch eine Irisblende getestet. Dafür brauchte Premiere bei 4:3 etwa 27 Sekunden, bei 16:9 dagegen mit 100 Sekunden fast das Vierfache! Ähnlich verhielt sich eine simple Farbkorrektur, die bei 4:3 etwa 18 Sekunden rechnete, bei 16:9 dagegen 65 Sekunden. Zum Vergleich wurden diese Berechnungen auch in EditDV durchgeführt. Die simple Überblendung dauerte in 16:9 mit 18 Sekunden geringfügig länger, aber die Irisblende benötigte auch nur 20, genau wie die Farbfilterung. Zu unserer Verblüffung war EditDV in 4:3 sogar etwas langsamer, aber das läßt sich durchaus erklären: wie schon beim Auflösungstest der Kameras erläutert, sind ja eigentlich weniger Pixel am 16:9 Bild beteiligt. Die Filmgestaltung mit Premiere in 16:9 erfordert also viel Geduld, aber immerhin ist unverzerrtes Arbeiten in Version 5.1 möglich.
Grafische Arbeiten
Komplizierter wird die Sache, wenn man Standbilder und Titelgrafiken mit einem Fremdprogramm wie Photoshop bearbeiten möchte, das nur quadratische Pixel kennt. Nur wenn die Bilder nach dem Import nicht-proportional hochskaliert werden (z.B. auf 1024x576 Pixel), können sie unverzerrt gestaltet werden. Nach dem erneuten Herunterrechnen zum Einschneiden in den Film müßte theoretisch die Schärfe etwas gelitten haben -- die Interpolationsverfahren moderner Programme sind aber so gut, daß in der Praxis davon kaum etwas zu sehen ist. Wenig empfehlenswert ist es dagegen, das Bild erst auf 720x405 Pixel herunterzurechnen, um es dann wieder vertikal aufzublasen -- da wären Schärfeverluste unvermeidbar.
Spezialeffekte für's breite Bild
Entsprechend müssen Sie auch bei der Arbeit mit Dateien aus EditDV in Adobes AfterEffects vorgehen. Es kennt zwar von Hause aus bereits das D1-Format in PAL und NTSC und kann damit normalerweise automatisch umgehen. Sollte es einmal nicht erkannt werden, wählt man unter File->Interpret Footage->Main" den entsprechenden Eintrag aus, sogar anamorphes 2:1 findet sich dort. Das 16:9 Format dagegen muß man AE erst noch beibringen -- vielleicht hat Adobe es ja in die neue Version 4.0 eingebaut, die in Kürze erscheinen soll.

In After Effects 3.1 erzeugt man eine neue Composition" im Format 1024x576, plaziert die Filme und bringt sie mit dem Scale" Befehl (bei abgeschalteter Erhaltung der Aspect Ratio") auf den passenden Wert.
Beim Rendering des Ergebnisses gibt man im Output Module" unter Stretch" wiederum an, daß die Ausgabe auf 720x576 Pixel umzurechnen ist. Dies ähnelt dem oben beschriebenen Vorgehen in Photoshop und führt zu korrekten Ergebnissen, aber längeren Rechenzeiten durch die doppelte Umrechnung. Alternativ kann man ohne Entzerrung in einer Composition" mit 720x576 Pixeln arbeiten, wenn keine Effekte eingesetzt werden, die zu geometrischen Problemen führen. Das sieht merkwürdig aus, ist aber schneller. Bei EditDV werden übrigens fertige Templates" (Vorlagen) für die Render-Settings und die Output Module von AE mitgeliefert, sogar ein kleines Testprojekt mit 16:9-Daten ist dabei, so daß das hier beschriebene Vorgehen sehr gut nachzuvollziehen ist. ProMax dagegen gibt seinem FireMax nur entsprechende Dateien für After Effects im Format 4:3 mit -- angesichts der oben dargestellten Unverträglichkeit hätte alles andere auch keinen Sinn.
Und wie kommt's an?
Das Signal einer DV-Kamera im 16:9-Modus bzw. das von einem DV-Codec berechnete Ergebnis enthält eine spezielle Wide-Kennung, die entsprechend ausgerüstete Fernseher (und einige rare Projektormodelle) zur Umschaltung auf 16:9 Wiedergabe veranlaßt. Das gilt nicht allein für Fernsehgeräte, die tatsächlich mit einer breiteren Bildröhre ausgestattet sind, auch wenn diese natürlich optimalen Genuß bieten. Viele moderne Geräte mit klassischer Bildröhre können zumindest auf ein unverzerrtes Bild umschalten, wenn auch mit schwarzen Balken. Ältere Geräte zeigen gnadenlos ein seitlich gestauchtes Bild wie der Sucher der XL-1.
Das Ganze hat übrigens nichts mit PAL-Plus zu tun, denn dabei handelt es sich um ein reines Sendeformat. Bei PAL-Plus werden in den von normalen TV-Geräten nicht genutzten Bereichen des Bildes Zusatzinformationen versteckt, sogenannte Helper"-Signale, die auf entsprechend ausgestatteten Fernsehgeräten für eine verbesserte Wiedergabe des 16:9 Bildes sorgen, ohne daß dabei die standardisierte Bandbreite des Sendesignals überschritten wird. Bei direktem Anschluß eines DV-Recorders an das Fernsehgerät entfällt dieser Zusatzaufwand. Und wie sieht das ganze nun aus?

Zum Abschluß ein Standbild aus der Originalaufnahme einer TRV-900 in 16:9, leider bei anderem Sonnenstand.
Weiter oben haben wir nämlich ein wenig geschummelt: dort ist das gleiche Gebäude von einer Kleinbildkamera aufgenommen worden, also auf 35mm Film und damit etwa in Kinoqualität.
CV-Fazit: 16:9 DV-Produktion heute
Auch wenn die volle Qualität von DV dabei nicht ausgeschöpft wird, kann die 16:9 Aufzeichnung bei guter Präsentation und formatgerechter Gestaltung recht eindrucksvolle Ergebnisse liefern. Die getesteten 3-Chip-Camcorder bieten dabei annähernd gleichwertige Qualität; bei der Canon XL-1 ist allerdings das unkorrigierte Sucherbild zu bemängeln. Für die Nachbearbeitung empfiehlt sich derzeit nur das EditDV-System von Digital Origin (Ex-Radius), das unverzerrte 16:9 Bearbeitung schnell und unkompliziert erledigt und dabei auch mit After Effects (auf dem Mac) zusammenarbeiten kann. Das Gespann FireMax/Premiere kennt zwar auch 16:9, ist aber dabei sehr langsam im Rendering und kooperiert derzeit nicht mit anderen Programmen.
© Prof. Uli Plank